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Rezension „Ihr Blut so rein“ von Sharon Bolton

11. Juli 2016

Seit dem Erlebnis in Cambridge ist DC Lacey Flint krankgeschrieben und zweifelt stark daran, überhaupt wieder in den Polizeidienst einzusteigen. Auch auf die Bitte von ihrem Kollegen Joesbury ist sie nicht bereit das Team bei den Ermittlungen zur neusten Mordreihe in London zu unterstützen. Fünf tote Jungen, entführt, ermordet und an der Themse abgelegt und das innerhalb von fünf Wochen. Barney, ein Junge der neben Lacey wohnt, verfolgt den Fall und ermittelt aus eigenem Antrieb, doch schon bald verdächtigt Barney jemanden, der ihm sehr nahe steht.

Der dritte Teil der Lacey-Flint-Reihe klang für mich wieder einmal total spannend. Da ich leider mit dem zweiten Teil in die Serie eingestiegen bin, im Anschluss den ersten Teil gelesen und nun zum dritten Teil gegriffen habe, war der zweite Band nicht mehr ganz so präsent. Die ersten beiden Bücher haben mir allerdings sehr gut gefallen. Lacey Flint ist eine ganz besondere Polizistin, denn sie hat eine düstere Vergangenheit, die im ersten Teil erzählt wird. Nun ist Lacey allerdings von ihrem letzten Fall, in dem sie Undercover an der Universität von Cambridge war, so traumatisiert, dass sie in dem ersten Drittel des Buches kaum vorkommt. Ihre Depressionen und Ängste sind nachvollziehbar und doch denkt man sich immer mal wieder, dass sie sich einfach ein bisschen aufraffen sollte. Besonders da Joesbury sie immer wieder besucht und versucht sie zu motivieren, doch Lacey bleibt in ihrer Lethargie, was mich nicht gerade bewegt hat, gebannt weiter zu lesen.

Barney hingegen ist ein sehr interessanter Charakter, da er genau in gleichen Alter wie die Opfer ist und somit selbst potentiell in Gefahr schwebt. Er leidet unter Zwangsstörungen und sucht nach seiner Mutter, die ihn verlassen hat, als er noch ein Kleinkind war. Auch die Morde in London halten ihn im Bann, besonders eine Facebook-Seite auf der der vermeintliche Mörder immer wieder Bilder und Hintergrundinformationen der Morde postet.

Joesbury, einer meiner Lieblingscharaktere aus den anderen zwei Büchern, kommt leider lange Zeit viel zu kurz. Lediglich Dana Tulloch und ihr Ermittlungsteam treiben die Geschichte in die Länge, ohne überhaupt sichtbar in dem Fall voran zu kommen. Dann sind es aber Lacey und Joesbury, die dem Täter immer näher kommen, ohne das sie bei den Ermittlungen teilhaben und das stört mich glaube ich bei dem Buch am meisten.
Das Ermittlungsteam denkt ständig viel zu umständlich, lassen sich durch irgendwelche TV-Aussagen von angeblichen Fachleuten in die Irre leiten und sind dazu noch  eher kraftlose Charaktere. Als Dana dann sogar Lacey verdächtigt (was sie in dem ersten Teil auch des Öfteren getan hat), begann ich zu hoffen, dass wir in Deutschland nicht so unfähige Ermittler haben.

Die Geschichte wird meiner Meinung nach aus zu vielen Perspektiven erzählt und das bremst den Erzählfluss stark ab. Man hat auch lange Zeit keine Ahnung, warum Lacey jetzt so handelt und worauf ihre Geschichte hinaus läuft. Ich hätte mir mehr Interaktion zwischen den Charakteren gewünscht, aber es war oftmals ein hin und her Wechseln von einem Monolog zum Nächsten.

Ist man dann aber erst einmal über die Hälfte hinweg, und ich möchte das jetzt nicht schönreden weil die erste Hälfte war für mich wirklich sehr zäh, nimmt das Buch eine enorme Kehrtwende und wird rasant und total spannend. Endlich gibt es Verdächtige (die allerdings nicht alle von der Polizei ins Auge gefasst werden sondern von Lacey oder dem Leser) und man ertappt sich immer wieder dabei, wie man in die Irre geführt wurde. Gerade zum Ende hin wird es ein hin und her, das wirklich Spaß macht zu lesen. Der Showdown ist auch als solcher zu erkennen, denn man fürchtet nicht nur um das Leben des vermeintlichen Opfers, sondern vieler geliebter Charaktere.

Das Ende des Buches kann zwar den zähen Start nicht ganz wieder gut machen, aber ich bin froh, dass ich das Buch dann doch gelesen haben.
Ich kann mir allerdings vorstellen das jemand, der die ersten Bücher nicht kennt, nach einem Viertel aufgibt.

2,5 von 5 Punkten

INFORMATIONEN ZUM BUCH

Ersterscheinung: 2014 (DE), 2013 (US)
Autor|in: Sharon Bolten
Verlag: Goldmann Verlag
Originaltitel: Like this, for ever
Seitenzahl: 448
Genre: Thriller

Andere Werke des Autors:
Lacey-Flint-Reihe
Todesopfer
Schlangenhaus
Bluternte
Böse Lügen

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