Rezensionen

Rezension „Stella“ von Takis Würger

5. November 2019
Cover Stella

In letzter Zeit hatte ich leider ein wenig unter einer Leseflaute zu kämpfen. Und das, obwohl ich dieses Mal eigentlich sehr viel Freizeit hatte und genügend Zeit für meine eigentlich liebsten Hobbys – dem Lesen und Schreiben. Aber zum Glück hatte ich doch ein wenig Muse das Buch zu lesen, dass ich euch gerne vorstellen möchte – Stella von Takis Würger. Gewählt, oder besser näher betrachtet, habe ich Stella aufgrund des Titels, denn meine Katze heißt nun einmal Stella. Doch auch der Klappentext hat mich neugierig auf diesen Roman gemacht. Wir meine Meinung zu diesem Buch ist, erfahrt ihr in dieser Rezension.

Worum geht es in Stella?

Mitten im Zweiten Weltkrieg in Berlin trifft der junge Friedrich in einer Kunstschule auf Kristin. Das Kristin nicht unbedingt den besten Einfluss auf Friedrich ausübt, merkt man schnell. Aber bei ihr kann er die grausamen Geschehnisse zu dieser Zeit vergessen. Doch so schön die anfängliche Beziehung zwischen den Beiden scheint, so schnell geht alles bergab, als die Frau mehrere Tage nicht mehr zu ihm kommt. Als sie dann endlich wieder vor seinem Hotelzimmer steht, ist sie mit Verletzungen übersät. Sie gesteht ihm, dass ihr Name Stella ist und sie eine Jüdin sei. Friedrich, der bis zu dieser Zeit wenig mit dem Krieg und seiner Grausamkeit in Kontakt kam, merkt nun, was es heißt, Jude in Deutschland zu sein. Denn die Gestapo überlässt Stella die Wahl: Entweder stirbt sie und ihre Familie, oder entgeht dieser Strafe, indem sie untergetauchte Juden verrät. Wozu wird sie sich entscheiden und wird ihr Friedrich weiterhin beistehen?

Die Charaktere

In dem Buch kommen kaum Charaktere vor, was es einfach macht, sich auf Friedrich und Stella zu konzentrieren. Stella, oder zu Beginn Kristin ist geheimnisvoll, lebensfroh und mutig. So schafft sie es gekonnt auch bei der Gestapo über ihren fehlenden Ausweis zu lügen und sich nichts von ihrem Geheimnis anmerken zu lassen.  Friedrich dagegen ist eher etwas naiv. Er stammt aus der Schweiz, hat mit dem Krieg erst einmal noch keine Berührungspunkte gehabt, möchte aber um seine Kunst zu fördern, nach Berlin. Kristin zeigt ihm ein völlig anderes Leben. Angefangen von einem verbotenen Jazzclub, in dem Kognak getrunken wird, bis hin zu den Schattenseiten des Berlins.

Die Geschichte

Basierend auf wahren Personen und Geschehnissen ist die Geschichte schön und grausam zugleich. Die Schrecken, die damals besonders in der Judengemeinschaft herrschten, sind für mich heute nahezu unvorstellbar. Umso wertvoller finde ich solche mutigen Romane, die genau diese Geschehnisse ins Bewusstsein zurückrufen, damit unsere Generation es besser machen kann. Gerade in unseren heutigen Zeiten, wo der Zweite Weltkrieg so weit weg scheint und das Deutschland genau wieder in solche Gedankenwelten zurück driftet. 

Die Geschichte rund um Stella beginnt wie eine schöne Liebesgeschichte. Doch ist um so vieles tiefgründiger. Was die Gestapo mit Stella gemacht hat, wird gar nicht so genau erzählt und auch einiges von dem, was danach passiert wird nur angerissen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das gut finde, oder doch gerne mehr dazu erfahren hätte. Ich finde auf jeden Fall das Zusammenspiel der beiden Charaktere sehr gut. Friedrichs Reaktionen durch seine Naivität sind sehr gut nachvollziehbar. 

Der Schreibstil 

Der Spiegel-Reporter Takis Würger hat wie auch bei Der Club wieder bewiesen, welches Schreibtalent in ihm steckt. Er konnte mir die beiden Seiten des Berlins in den 1942ern so gut aufzeigen, dass ich mich wie in dieser Zeit gefühlt habe. Dies ermöglicht er durch den Charakter Friedrich, für den das, ebenso wie für den Leser, alles neu ist. Er wird von Kristin / Stella in diese Welt begleitet – die guten wie die schlechten Seiten davon. Auch, wenn das Buch mit relativ wenigen Dialogen auskommt, ist es aufgrund von seiner Kürze keine Längen aufkommen. 

Im Rahmen meiner Recherche zu diesem Buch kam ich nicht um die Debatte herum, die rund um Stella aufgekommen ist. Kritiker regen sich über die Art und Weise auf, wie Takis Würger die sehr bedrückende und fürchterliche Geschichte von Stella erzählt hat. So sprechen diese davon, dass ein solches Thema nicht mit so viel Kitsch ausgestattet werden sollte. Auch von „schwülstig“ und „kostümhafte Schilderung“ ist die Rede.  Ich muss dazu sagen, dass ich genau das als positiv erachten würde. Ich finde die Geschichte von Stella viel zu interessant, um nicht erzählt zu werden. Auf diese Art ist die Geschichte so verpackt, dass auch „normale“ Leser, die sich nicht so viel mit „anspruchsvoller“ Literatur beschäftigen diese zu Lesen. Und für mich ist viel wichtiger, dass die Geschehnisse weiter transportiert werden. Da darf dies auch in Form einer „schönen“ Geschichte mit „fürchterlichem“ Beigeschmack zu lesen sein. Aber auch das ist jetzt meine Meinung und ich kann die der Kritiker durchaus verstehen.

Fazit zu Stella

Eine wichtige Geschichte, die für mich in einem tollen Roman verpackt war. 

4 von 5 Punkte – BUCHTIPP
(Was soll das denn heißen? Schau dir dazu mein Bewertungsschema an)

Autor: Takis Würger
Verlag: Hanser Literaturverlag
Erschienen: 11.01.2019
Genre: Roman

Link zum Buch

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