Rezensionen

Rezension „The Gender Game: Machtspiel der Geschlechter“ von Bella Forrest

29. Januar 2018
The Gender Game Buchcover

Ach ja, zu Zeiten der Gleichberechtigung, Transgender und Eheschließung unter Homosexuellen sollte ein Buch mit der Thematik in jedem Bücherregal stehen. Da ich als Frau weiß, dass es manchmal im Job und generell im Leben nicht so einfach ist, interessiert mich das Thema definitiv. Unter dem Namen The Gender Game habe ich mir natürlich eine Mischung aus Hunger Games- Tribute von Panem und Gender-Problemen vorgestellt, gerade auch weil es mit Büchern wie Hunger Games – Tribute von Panem und Die Bestimmung verglichen wird. Doch wieder einmal kommt es anders, als man denkt.

Worum geht es in The Gender Game?

Die beiden Länder Matrus und Patrus könnten nicht unterschiedlicher sein. Getrennt durch einen giftigen Fluss herrscht in Matrus eher Gleichberechtigung und eine Frau regiert das Land. In Patrus regiert ein König und Frauen erwartet ein Leben im Schatten ihrer Männer. Selbst alleine aus dem Haus gehen ist dort für Frauen untersagt. Und genau in dieses Land soll die neunzehnjährige Violet Bates. Doch ihr bleibt keine andere Wahl als den Auftrag, den sie von der Königin bekommen hat, zu erfüllen. Als Alternative droht ihre Hinrichtung, da Violet seit dem misslungenen Fluchtversuch ihres Bruders eine Straftat nach der anderen beging. Deshalb begibt sie sich nach Patrus wo sie Lee heiraten soll. Eine Scheinehe, um etwas aus dem Labor von Patrus zu stehlen. Denn auch Lee möchte dem Leben in Patrus den Rücken kehren. Doch der eigensinnige Violet fällt es alles andere als leicht sich in Patrus unterzuordnen. Noch dazu weil sie den unschuldigen Viggo beschuldigen müssen, den Violet mehr als interessant findet.

Die Charaktere – eiskaltes Miststück und fader Wissenschaftler

Irgendwie wurde ich nicht wirklich warm mit der Protagonistin Violet Bates, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Ich kann nicht mal sagen warum, aber irgendwie hat mich ihr Schicksal kaum interessiert. Für mich waren viele ihrer Handlungen nicht nachvollziehbar und ihre Gedanken teilweise fast schon ein wenig langweilig. Mir hat bei ihr einfach das Feuer gefehlt. Den Willen die Zähne zusammen zu beißen und ihren Auftrag zu erfüllen.

Auch in Bezug auf Viggo habe ich einfach nichts empfunden. Gerade wenn etwas aus der Ich-Perspektive geschrieben wird, dann sollten so etwas wie Gefühle und innere Zerrissenheit doch besonders gut an den Leser transportiert werden. Das ist hier, bei mir zumindest, überhaupt nicht passiert. Wenn ich Violet beschreiben müsste würde ich sie als aggressiv und kalt bezeichnen. Noch dazu hat sie irgendwie gar keine Fehler, außer vielleicht ihr Autoritätsproblem. Plötzlich kann sie super kämpfen, nur weil sie mal Selbstverteidigungsunterricht vor ihrer Inhaftierung hatte und darin ganz gut war.

Bei Lee hatte ich zunächst die Chance für mich gesehen, dass ich ihn mögen könnte. Doch auch das ist schon nach kurzer Zeit abgeebbt. Er wirkt auf mich wie ein typischer Saubermann, dem man versucht hat etwas Tiefe und einen rebellischen Part zu geben. An dieser Stelle wäre ein Finnick Odair gebraucht worden; einen charmanter Kerl, den man nicht so einfach durchschaut. Auch die Dynamik zwischen ihm und Violet war für mich doch etwas nüchtern. Er erklärt viel, aber Zusammenarbeit ist wohl nicht so seine Stärke. Mir war dann auch nicht klar, für was er überhaupt Violet braucht.

Nun zu Viggo, dem anderen Mann, um das klassische Liebes-Triangel unterzubringen. Aber nein, zum Glück war das dann doch nicht allzu präsent. Dennoch würde ich das Verhältnis von Viggo und Violet als so etwas wie die Liebesgeschichte in diesem Roman eingliedern. Aber auch das war einfach nur kühl. Die beiden können sich stundenlang über Kampftechniken unterhalten ohne das für mich ein sichtbarer Funke entfacht wurde. Versteht mich nicht falsch, ich brauche nicht immer Liebe und dramatische Gefühle in einem Roman. Aber gerade diese Geschichte war einfach nicht schlüssig ohne eine Liebesgeschichte.

Die Geschichte

Ich möchte noch einmal die eben beschriebene Thematik aufgreifen, denn wenn ich mal ganz platt den Plot zusammen fasse, ist The Gender Games eher eine Liebesgeschichte, als eine Gesellschaftskritik. Violet wird als autarke Frau beschrieben, die den Großteil ihres Lebens ohne Bezugsperson aufgewachsen ist.

Eigentlich gibt es in ihrem Leben niemanden mehr, der ihr etwas bedeutet. Außer vielleicht ihr Bruder, der angeblich noch am Leben ist und den sie besuchen kann, wenn sie den Auftrag erfüllt. Also wäre für mich die Prämisse: Auftrag erfüllen, koste es was es wolle. Doch die Erfüllung des Auftrag würde Viggo, dem als Unschuldiger die Tat untergeschoben werden sollte, das Leben kosten, was Gewissensbisse bei Violet auslöst. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass sie nun mal eine gewisse Moralvorstellung hat, das ist ja an für sich auch schön und gut. Aber wir reden hier über eine junge Frau, die ein Mädchen im Heim umgebracht hat, weil diese ein Bild von Violet und ihrem Bruder kaputt gemacht hat. Das klingt für mich schon nach jemandem, der eher etwas skrupellos ist. Deshalb ordne ich die Gewissensbisse den Gefühlen für Viggo zu. Doch die kommen irgendwie auch nicht so zum Vorschein. Für Lee scheint sie eh gar nichts zu empfinden als nur Mittel zum Zweck.

Entsprechend hat mir einfach ein bisschen die Prämisse der Geschichte gefehlt. Der rote Faden, der sich durchzieht. Natürlich freut man sich als Leser, wenn man von der Geschichte hin und wieder auch mal überrascht wird, aber ich konnte so gar nicht den Weg sehen, den die Geschichte gehen will. Und entsprechend hat mich der Fortgang der Geschichte auch nicht so sehr interessiert. Im Gegenteil, ich war leider hier und da richtig gelangweilt.

 

Der Schreibstil

Ich möchte jetzt auch nicht nur meckern, denn ich habe das Buch ja auch zu Ende gelesen, weshalb es nicht so super schlecht sein kann. Aber auch der Schreibstil hat hier und da nicht wirklich überzeugt. Es war dann doch etwas sehr einfach. Was ich in meinem Studium immer wieder gelernt habe ist. „Show and don’t tell“. Das hat Bella Forrest nicht so richtig befolgt. Die Sätze sind sehr einfach gestrickt und sehr abgehackt. Vielleicht hatte ich deshalb auch das Gefühl, dass Violet sehr kalt ist. Insgesamt wirkte es einfach nicht ganz so rund.

Fazit

Leider habe ich bei dem doch sehr hoch gepriesenen Romans viel mehr erwartet und war von der Geschichte doch etwas enttäuscht. Man hätte viel mehr daraus machen können, denn den Grundstein der Story finde ich sehr ansprechend. Doch das, was daraus gemacht wurde hat mich leider stellenweise ein bisschen gelangweilt.

 

2,5 von 5 Punkte

 

INFO ZUM BUCH

Autor: Bella Forrest
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Erschienen: 09.03.2017
Link zum Buch

 

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