Rezensionen

Rezension „Niemals“ von Andreas Pflüger

17. November 2017

Wechselt ihr auch häufig das Genre, oder bleibt ihr eher einem Lieblingsthema treu? Ich brauche ab und an Abwechslung; mal ein schöner Krimi, mal ein Psychothriller, aber auch Fantasy und Jugendromane dürfen nicht fehlen. „Niemals“ von Andreas Pflüger war da eine sehr willkommene Abwechslung.

Worum geht es in Niemals?

Jenny Aaron ist Polizistin in einer Sondereinheit. Als sie allerdings bei einem in Barcelona Einsatz das Augenlicht verloren hatte, wechselte sie zum BKA. Ihre frühere Abteilung will sie zurück und gemeinsam mit ihrem Kollegen und besten Freund Pavlik muss sie auf einen Einsatz nach Marrakesh. Ihre Vergangenheit und die Ereignisse aus Barcelona holen Sie wieder ein. Als Jenny dann überraschend eine Nachricht erhält, dass sie 2 Millionen Euro geerbt hat, sowie einen Hinweis, wie sie den Mann finden kann, der ihren Vater ermorden ließ – den Broker. Und das alles von keinem weniger als demjenigen, der dafür verantwortlich ist, dass Jenny erblindet ist.

Die Geschichte

Ich muss sagen, am Anfang war ich doch etwas verwirrt. Die Erzählung springt immer mal wieder von Vergangenheit zu Gegenwart, erzählt von alten Fällen und Einsätzen, doch alles in Allem macht es für die Geschichte Sinn. Ich glaube, ich habe mich da schwer getan, weil man bei einem Hörbuch doch nicht immer so schnell Absätze oder neue Kapitel wahrnimmt. Das Buch startet direkt rasant mit dem Einsatz in Barcelona, was einen sehr schnell in die Geschichte um Jenny Aarons wirft. Danach ebbt alles ein wenig ab und dauert erst wieder etwas, bis zur zweiten Hälfte des Buches etwa, bis es dann aber sehr rasant wird. Mir hat dieses Spiel mit dem Höhepunkt und anschließend wieder einkehrende Ruhe, sehr gut gefallen. Zwischenzeitlich war es mir aber doch in der ersten Hälfte streckenweise ein bisschen zu ruhig.

Die Charaktere

Jenny Aarons ist natürlich die klare Protagonistin. Sie trägt die Geschichte, ist interessant und durch ihre herausragenden Fähigkeiten, aber auch den Einschränkung, das beides von ihrer Blindheit kommt, ein einzigartiger Charakter. Auch ihre Entwicklung fand ich sehr spannend. Am Anfang wirkt sie noch ein wenig verloren, obwohl sie trotzdem sie blind ist, sehr gut im Leben zurecht kommt. Nachdem ein Arzt ihr Hoffnung macht, das sie durch einen Lebenswandel ihr Augenlicht zurück erlangen könnte, kann sie sich erst einmal nicht mit dem Gedanken anfreunden, ein ruhigeres Leben zu führen. Ihre anschließende Jagd nach Vergeltung hilft ihr dabei, sich selbst zu finden. Wenn man die Jenny des Anfangs mit dem Ende vergleicht, merkt man erst, welchen Sprung sie gemacht hat.

Was mir aber auch sehr gut gefallen hat, sind die Nebencharaktere. Der plötzliche Wechsel von Jenny zu der Abteilungsleiterin Inan Demirci hat mich erst ein wenig überrascht. Aber dieser Wechsel ist absolut sinnvoll für die Geschichte und macht auch Spaß, die politische Sichtweise von einem solchen Einsatz zu sehen. Gerade die Rivalität zwischen ihr und Swoboda war einfach super.
Pavlik ist und bleibt einer meiner Lieblingscharaktere. Die Art wie er wie selbstverständlich mit Jenny Einschränkung umgeht ist bemerkenswert. Er bemitleidet sie nicht und weiß auch, dass sie trotz ihrer Erblindung noch immer besser ist, als viele Sehende. Sein Humor und generell seine Art zu reden hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Fazit

Tolles Buch, das von seinen einzigartigen Charakteren getragen wird. Die Geschichte war teilweise etwas verstrickt, macht aber gerade am Ende Spaß, wenn sich alles auflöst. Vielleicht hätte es mir aber auch geholfen, wenn ich erst den ersten Teil gelesen hätte.

4 von 5 Punkte

 

INFO ZUM BUCH

Autor: Andreas Pflüger
Verlag: Suhrkamp Verlag
Erschienen: 09.10.2017
Link zum Buch

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