Rezensionen

Rezension „Ich fühle was, was du nicht fühlst“ von Amelie Fried

5. Dezember 2016
Buchcover von Ich fühle was, was du nicht fühlst

Das Buch von Amelie Fried hat mich direkt beim Anblick des Covers angesprochen. Der Klappentext las sich unglaublich gut und barg so viele Möglichkeiten, ob diese in „Ich fühle was, was du nicht fühlst“ genutzt wurden, erfährst du im Beitrag.


Worum geht’s?

India ist 13 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrem älteren Bruder Che bei ihren Eltern, die, sagen wir es mal so, ein wenig Alternativ angehaucht sind. Indias Vater ist Künstler und lädt immer wieder zu seltsamen Performance-Art-Auftritten in seinem eigenen Garten ein. Ihre Mutter dagegen ist Yoga-Lehrerin und ganz darauf bedacht, die Kinder Anti-Autoritär zu erzählen, damit sich diese frei entfalten können. Che dagegen lehnt sich gegen alles auf, was die Eltern verkörpern und provoziert, wo er nur kann. Er geht sogar so weit, dass er sich einer Gruppe anschließt, die offensichtlich der rechten Szene angehören, und nur noch eine alte Uniform seines Großvaters trägt.
India versucht dem Ganzen aus dem Weg zu gehen und flüchtet sich in die Mathematik.

Zahlenreihen, Primzahlen oder das Auswendiglernen der Nachkommastellen von Pi helfen ihr dabei. Wenn sich ihre Eltern mal wieder Streiten geht sie meistens zu ihrer Nachbarin und einzigen Freundin Bettina. Eines Tages schlägt Bettinas Vater vor, India Klavierstunden zu geben, denn er ist überzeugt davon, dass in ihr eine Begabung schlummert, die er zum Vorschein bringen möchte. India versperrt sich vor der Musik. Die melodischen Klänge lösen in ihr Gefühle aus, die sie bisher erfolgreich unterdrückt hat. Die Melodien spürt sie auf ihrer Haut und je intensiver die Musik, desto mehr scheint India daran zu zerbrechen.

Während in ihrer Familie die Situation immer schlimmer wird genießt India das Klavierspielen und die Nähe zu ihrem Lehrer Christian. Bis zu dem Augenblick, in dem dieser sie in einem ihrem Moment berührt, in dem Sie sich voll der Musik hingegeben hat. Sie erzählt ihren Eltern davon, bricht den Kontakt zu Christian ab. Indias Eltern, deren Streitereien sich inzwischen zu einer Ehekrise entwickelt hat, glauben ihr jedoch nicht.

Die Charaktere

India – der Protagonist

India ist besonders, das merkt man gleich. Am Anfang des Buches hat man das Gefühl ihre Entwicklung absolut miterleben zu können. Die erste Periode, die die Mutter mit einer Opfergabe feiert, erste Kontakte mit einem Jungen, der sie nur ausnutzen will und noch dazu ihre Probleme in der Schule Anschluss zu finden. India ist, obwohl sie aussergewöhnlich und hochbegabt ist, trotzdem ein Charakter mit dem ich mich irgendwie identifizieren konnte.
Die Geschichte ist aus Indias Perspektive geschrieben, weshalb man sehr viel über ihre Gefühle in ihren Gedanken lesen kann. Über wirkliche Gefühle spricht sie kaum, aber zwischen den Zeilen versteht man ihr Inneres sehr gut.
Die Familie

Ihre Eltern hingegen fand ich einfach eine Spur zu extrem. Sicherlich gibt es Mütter wie ihre, die dem Kind alle Freiheiten geben wollen und dabei die Zuneigung vergessen. Aber warum muss sie dann gleich auch noch so Hippie sein? Indias Vater war noch ein bisschen glaubwürdiger, zumal er sich mit seinem pubertierenden Sohn auseinander setzen muss und damit vollkommen überfordert ist.
Che hingegen fand ich von Anfang an total gut getroffen. Er sieht in India eine Verbündete gegen die Eltern, eine Leidensgenossin die genau wie er ihre Zeit bis zur Volljährigkeit absitzen muss. Ganz schleichend beginnt sein Abdriften in die rechte Szene und lange ist unklar, was es mit der Gruppe auf sich hat. Auch sein plötzlicher Wandel ist sehr gut beschrieben

Und wie war die Geschichte?

Irgendwie kam mir die Geschichte zu oft ins stocken. Immer wieder hab ich mich dabei ertappt, wie ich Seiten nur überflogen habe. Ich wollte einfach nur noch mit der Geschichte durch sein. Es hat mich schon interessiert, was aus Che wird, wie India mit ihrem Leben klar kommt, gerade nach der Geschichte mit dem Klavierlehrer, aber irgendwie war mir das alles ein bisschen zu emotionslos. Indias Monologe waren einfach ein wenig fad für meinen Geschmack und teilweise war mir die Geschichte auch zu vorhersehbar. Ich bin mir nicht sicher, ob mir der Schreibstil gefallen hat, oder eben nicht. Da mir die Geschichte an für sich schon gefallen hat, aber diese trotzdem eher etwas langweilig zu lesen war, tendiere ich dazu, dass der Schreibstil ausbaufähig wäre.

Was ist jetzt eigentlich mit dem Klavierlehrer?

Einer meiner größter Kritikpunkte ist leider, dass die angeteaserte Geschichte, nicht voll genutzt wurde. Beziehen möchte ich das auf den Teil der Geschichte, in dem der Klavierlehrer, Nachbar und Vater von Indias einziger Freundin sie Missbraucht. Mir war nicht ganz klar, wie weit er gegangen ist, aber das ist auch Nebensächlich. Wichtig ist, dass dieser Teil der Geschichte im letzten Drittel des Buches geschieht. Anhand des Klappentextes erwartet man, dass diese Aktion die ganze Geschichte trägt. Doch irgendwie wurde das ganze so schnell abgefrühstückt, dass ich fast schon ein wenig enttäuscht war. Ich hätte erwartet, dass es viel darum geht, dass India danach nicht mehr vertrauen kann, nicht mehr Liebe oder Gefühle zulassen kann. Aber eigentlich ist es eher umgekehrt, denn von Beginn der Geschichte und unabhängig zu dem Teil mit dem Klavierlehrer Christian, versperrt sich India vor allem, was unter ihre Haut gehen könnte.
Ich fand das besonders Schade, obwohl die Annäherung an Christian auch sehr interessant war, hätte ich doch einfach etwas ganz anderes erwartet.

Mein Fazit zu „Ich fühle was, was du nicht fühlst“

Eine schöne Geschichte mit lehrreichem Hintergedanken, aber leider mit zu wenig Würze. Das Potential der Geschichte wurde leider meiner Meinung nach nicht ganz genutzt.

3,5 von 5 Punkte

INFO ZUM BUCH

Autor: Amelie Fried
Verlag: Heyne
Erschienen: 22.08.2016
Link zum Buch

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