Rezensionen

Rezension „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes

4. Juli 2016
Buch "Ein ganzes halbes Jahr"

Auch ich möchte die Gelegenheit nutzen um ein paar Worte über das unglaublich tolle Buch, aber auch die Verfilmung „Ein ganzes halbes Jahr“ oder im Original „Me before you“ zu sagen.

Zum Buch
Das Buch habe ich schon vor einiger Zeit gelesen, es aber tatsächlich vor dem Film noch einmal in die Hand genommen um auch eine valide Bewertung dazu abgeben zu können.

Es geht um die liebenswerte Frohnatur Louisa Clark, die aufgrund von mangelnden Jobangeboten eine Pflegestelle bei dem vom Hals abwärts gelähmten Will Traynor annimmt. Zunächst nur stockend nähern sich die beiden einander, denn Lou soll Will hauptsächlich aufmuntern und Gesellschaft leisten. Will, der mit seiner Situation nicht gerade positiv umgeht, plant allerdings schon länger, sein Leben zu beenden und hat nach einem gescheiterten Selbstmordversuch mit seinen Eltern vereinbart, noch ein halbes Jahr zu warten bevor er in die Schweiz zu Dignitas geht und dort sein Leben beendet. Lou versucht alles, um Wills Leben trotz seine Behinderung wieder lebenswert zu machen und merkt dabei zunächst nicht, dass sich dabei auch alles für sie ändert.

Was ein wenig klingt wie der Film „Ziemlich beste Freunde“ ist eine unglaublich liebevolle Geschichte von Trauer, Schmerz und Freude. Besonders die Neben-Charaktere machen den Unterschied, denn Lous liebevolle Familie, die sich aber auch gerne mal so sehr streitet, dass die Fetzen fliegen, nur um sich danach wieder zu versöhnen und in den Armen zu liegen, gibt dem Buch eine spezielle Würze.

Eine besondere Entwicklung macht natürlich Louisa durch, die als unsicheres Mädchen mit einem eigenwilligen Modegeschmackt zunächst fast ein wenig Naiv in den Job startet. Auch wenn sie in den ersten Wochen jede gemeinsame Stunde mit Will hasst, kann sie den Job nicht hinschmeißen, weil sie ihre Familie finanziell unterstützen muss. Ihr Freund, der Extrem-Sportler und Personal-Trainer Patrick ist auch keine Stütze, da er die meiste Zeit mit seinem Sport zu tun hat. Patrick bildet quasi den genauen Gegenpol zu Will, mit seinem ständigen Bewegungsdrang. Die Beziehung zwischen Louisa und ihrer Schwester Kathrina fand ich besonders toll, da ich und meine Schwester auch oftmals eine Hass-Liebe hatten, genau wie diese beiden Charaktere. Kathrina gibt Lou in dem einen Moment Halt und tolle Ratschläge und im nächsten liegen sie sich in den Haaren.

Natürlich ist auch Will ein ganz besonderer Charakter, da er so eine Art hat, die einem ständig zum Schmunzeln bringt. Man merkt schnell, wie charmant Will sein kann, wenn er es will. Die Beziehung zwischen ihm und Lou ist etwas, was man nicht so einfach in Worte fassen kann. Gerade die Entwicklung von der anfänglichen Abneigung bis zu dem Moment, ab dem Lou viel lieber Zeit mit Will verbringt, anstatt mit ihrem Freund Patrick ist einfach phänomenal.

Für mich tatsächlich eines der schönsten Bücher, die ich jemals gelesen habe und Stoff der noch lange an einem haften bleibt.

Zum Film
Nun aber zu dem Film, den ich direkt zwei Tage nach Start im Kino sehen musste. Abgesehen davon, dass etwa 99% der Kinogäste Frauen waren, saß ich neben einem Mädchen, die während des gesamten Filmes Popcorn gegessen hat. Ich hatte schon nach ein paar Minuten keinen Appetit mehr, das lag aber vielleicht auch an dem dicken fetten Kloß in meinem Hals. Ich glaube, wer das Buch kennt weiß warum…

Bereits in den ersten Szenen wird klar, dass sich die Verfilmung sehr an die Buchvorlage gehalten hat, was auch absolut die richtige Herangehensweise ist. Das Setting, die Darsteller, alles ist wirklich sehr nah an der Welt, die mit Jojo Moyes Hilfe in meinem Kopf entstanden ist.
Emilia Clarke ist Louisa Clark. Nicht nur den Namen teilen sie sich (zumindest fast), Emilia verkörpert Lou so glaubhaft, dass man sich gar nicht jemanden anderen in der Rolle vorstellen könnte. Das einzige was ich kritisieren muss: Die Augenbrauen geraten sehr oft außer Kontrolle. Nun zu Sam Claflin alias Will Traynor: Wieder einmal hat die Casting-Crew ins schwarze getroffen, besser hätte man die Rolle nicht besetzten können. Auch Louisas Freund Patrick, der von Harry-Potter Darsteller Matthew Lewis gespielt wird, ja das ist wirklich Neville Longbottom, macht seinen Job überaus gut. Besonders den freundlichen Pfleger Nathan fand ich perfekt!
Nun zu der Story. Ja, natürlich müssen hier und da ein paar Szenen entfernt werden, da der Film ja nur begrenzt Minuten zur Verfügung hat. Mir hat auch wirklich kaum etwas gefehlt. Kaum.
Schade fand ich etwas, dass die Story von Louisa rund um den Vorfall im Labyrinth gefehlt hat, in der sie betrunken von ein paar Männern missbraucht wurde. Diese Geschichte belastet sie im Buch immer noch und sie schafft es sich Will gegenüber zu öffnen. Diese Szene fand ich im Buch sehr wichtig, weil es auch Louisas Verletzlichkeit und die Person unter der fröhlichen naiven Lou zeigt.
Ebenfalls etwas gefehlt hat mir der Streit zwischen Louisa und ihrer Schwester um das Zimmer. Kathrina geht auf die Uni, weshalb sie nur am Wochenende zuhause ist. Deshalb beschließt Louisa in das größere Zimmer ihrer Schwester zu ziehen, besonders da sie sehr hart arbeitet und fast ausschließlich die Familie finanziert. Dadurch entsteht ein großer Streit zwischen den Schwestern und immer wenn Kathrina da ist ziehen die Eltern auf die Couch um, damit sie und ihr Sohn in dem großen Bett schlafen können. Das zeigte mir noch einmal die Dynamik in der Familie, da diese im Film ein wenig zu sehr nach „Heile-Welt“ aussieht. Der Streit ist auch einer der Gründe, warum Louisa schließlich mit Patrick zusammen zieht, was im Film auch komplett weg gelassen wurde.

So nun aber zum Abschluss noch etwas Positives:
Der Film ist für mich eine nahezu perfekte Adaption des Buches!

 

Meine Bewertung

Buch 5 von 5 Punkten
Verfilmung 4,75 von 5 Punkten

 

INFORMATIONEN ZUM BUCH

Ersterscheinung: 2013 (DE) 2012 (US)

Autor|in: Jojo Moyes

Verlag: Rowohlt Verlag

Originaltitel: Me Before You

Seitenzahl: 544

Genre: Liebesroman

Andere Werke des Autors:
Ein ganz neues Leben
Weit weg und ganz nah
Über uns der Himmel, unter uns das Meer

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