Rezensionen

Rezension „Es wird keine Helden geben“ von Anna Seidl

15. Juni 2018
Cover Es wird keine Helden geben

Da ich in letzter Zeit recht viele Young Adult Liebesgeschichten gelesen habe, möchte ich ab und an auch ein paar Bücher anderen Genres oder zumindest mit einer anderen Geschichte lesen. Es wird keine Helden geben von Anna Seidl habe ich nach einer Empfehlung von der lieben Julia von Büchertauben gekauft und verschlungen.

Worum geht es in Es wird keine Helden geben?

Es scheint wie ein normaler Schultag als plötzlich ein Schuss fällt. Miriam versteckt sich mit ihrer besten Freundin auf der Schultoilette und muss mit ansehen, wie erst einer ihrer Mitschüler und dann auch noch ihr fester Freund Tobi vor ihren Augen von einem Amokläufer erschossen wird. Danach ist nichts mehr, wie es mal war.

Die Charaktere

Unfassbar. Ungerecht. Unfähig. Das sind nur einige Emotionen, die Miriam durchleben muss. Nach dem schlimmen Ereignis verschließt sich Miriam völlig und die plötzliche Rückkehr ihrer Mutter, die sie und ihren Vater 5 Jahre zuvor verlassen hat, macht es auch nicht besser. Im Gegenteil. Miriams Emotionen und ihr Verhalten, von Hilflosigkeit, Wut, Ohnmacht, alles ist so gut nachvollziehbar. Anna Seidl schafft es mit Miriam einen Charakter zu erstellen, mit dem sich viele Identifizieren können. Nicht unbedingt aussergewöhnlich, aber auch nicht langweilig. Einfach normal. Zumindest bis zu dem Amoklauf. Auch Miriams Gedankengänge sind unglaublich gut dargestellt. Miriam wünscht sich, dass sie heldenhaft reagieren könnte, aber sie sagt es einfach frei heraus. Denn in solchen Situationen gibt es keine Helden.

Die Geschichte

Es wird keine Helden geben ist ein Buch zum Nachdenken. Immer wieder habe ich darüber nachgedacht, was Miriam hätte anders machen können, um ihren Freund zu retten. Aber genau das ist einfach in solchen Situationen nicht möglich. Miriam hat keinen Fehler gemacht, sie hätte nicht wesentlich anders handeln können. Was allerdings auch wunderbar von Anna Seidl dargestellt wird, ist die Vergangenheit. Was ist vorher passiert? Was hat Miriams Mitschüler Mathias zu dieser Tat gebracht. Besonders gut fand ich hier die Entwicklung von Miriam, die erst nur Wut verspürt und sich wünschte, Mathias selbst erschießen zu können, doch nach und nach merkt sie, das sie, die Mitschüler, schon vorher etwas machen hätten können, um Mathias gerade nicht zu so etwas zu bringen. Nach und nach Entdeckt Miriam immer mehr

Besonders schön fand ich aber auch die Geschichte von Miriam und ihrer Mutter. Diese hat ihre Tochter und deren Vater einige Jahre zuvor verlassen und sich nur durch ein paar Postkarten hin und wieder gemeldet. Deshalb hat Miriam sich komplett von ihr distanziert und auch als ihre Mutter in der schweren Zeit zu ihr zurück kehrt, stößt sie sie zunächst weg. Doch nach und nach merkt sie, dass sie wenn nicht eine Mutter, doch eine Freundin braucht und diese in ihr gefunden hat.

Der Schreibstil von Anna Seidl

Schon am Anfang des Buches schafft es Anna Seidl eine Spannung aufzubauen, ohne überemotional die Situation des Amoklaufs darzustellen. Mich hatten bestimmte Situation den Tränen nahegebracht, ohne das man das Gefühl hat, dass Anna Seidl genau dies mit emotionalen Worten erreichen wollte. Im Gegenteil. Die Situation wird zwar aus Miriams Sicht geschildert, aber gleichzeitig ist Miriam während der Tat sehr sachlich. Und gerade das hat mich so begeistert. Die Zeit danach, in der Miriam trauert und versucht, wieder in das Leben einzusteigen ist dagegen ein ziemlich starker Kontrast. Aber auch diesen Grad hat Anna Seidl perfekt gemeistert. Ich hatte zu keiner Zeit Langeweile und musste mich fast etwas bremsen, um das Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen.

Fazit

Ein tolles, emotionales und fesselndes Buch, das definitiv ein paar Tage in den Köpfen bleibt.

 

4 von 5 Punkte – BUCHTIPP

(Was soll das denn heißen? Schau dir dazu mein Bewertungsschema an)

 

INFO ZUM BUCH

Autor: Anna Seidl
Verlag: Oettinger Verlag
Erschienen: Januar 2016
Seiten: 256
Link zum Buch

Ähnliche Bücher, die dir auch gefallen könnten:
Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner von Kerstin Gier
Ich fühle was, das du nicht fühlst von Amelie Fried

 

Das könnte dir auch gefallen

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld. Dieses Formular speichert Name, E-Mail und Inhalt, damit ich den Überblick über auf dieser Webseite veröffentlichte Kommentare behalten. Für detaillierte Informationen, wo, wie und warum ich deine Daten speichern, wirf bitte einen Blick in den Datenschutz.

*

Ich stimme zu